Wie Frau „X“ nach Jahrzehnten wegen einer Diagnose endlich Frieden fand:
Ich möchte heute von einer Klientin erzählen. Sie war über 80 Jahre alt und lebte im Altersheim. Ihr Zimmer war bis obenhin voll: Zeitungsausschnitte, Bücher, kleine Kartonschachteln, Medibecher, glänzende Dinge, bunte Fundstücke, schöne Stövchen. Alles hatte seinen Platz, alles war wichtig.
Sie versuchte ständig, Ordnung zu schaffen. Doch sie kam nie wirklich zur Ruhe. Immer wieder räumte sie alles um, sortierte neu, suchte nach besseren Lösungen. Je mehr sie aufräumen wollte, desto chaotischer wurde es.
Meistens endete es damit, dass sie erschöpft im Durcheinander zurückblieb. Tageweise konnte sie dann nichts mehr tun. Und das schlechte Gewissen wuchs. Es war ein ständiger Kreislauf aus Hoffnung, Frust und Überforderung.
Dabei hatte sie ihr Leben lang versucht, sich selbst zu verstehen. Schon in jungen Jahren suchte sie Hilfe: Psychotherapie, Hypnose, Gespräche. Doch sie bekam nie eine Antwort, die sie wirklich weiterbrachte.
„Ich war halt schon immer ein bisschen langsam im Denken“, sagte sie manchmal. Gleichzeitig sprach sie begeistert über Quantenphysik. Sie war hochintelligent, nur glaubte sie selbst nicht daran.
Später kamen Schwindelanfälle dazu. Und dann, ganz plötzlich, drei kleine Schlaganfälle hintereinander. Sie kam ins Krankenhaus.
Dort fühlte sie sich das erste Mal seit Langem wohl. Sie erzählte mir, wie sehr sie den klaren, sauberen Raum genoss. Keine Verantwortung, kein Durcheinander, keine anderen Menschen im Zimmer. „Das war wie Ferien für mich“, sagte sie.
Und dann sagte sie etwas, das mich tief berührt hat:
„Jetzt habe ich endlich eine Diagnose. Jetzt weiß ich, warum ich mich nicht mehr konzentrieren kann. Ich kann den Leuten sagen: Ich hatte Schlaganfälle. Deshalb geht es nicht mehr wie früher.“
Diese Diagnose brachte ihr Erleichterung. Plötzlich musste sie sich nicht mehr erklären. Die anderen verstanden sie besser und sie sich selbst auch.
„Ich muss nicht mehr so tun, als würde ich alles im Griff haben“, sagte sie. „Und ich darf jetzt Hilfe annehmen. Sogar die Krankenkasse übernimmt etwas. Ich muss mir nicht mehr so viele Sorgen machen.“
Nach all den Jahren der Unsicherheit, der Selbstzweifel und der Scham war endlich Klarheit da. Und mit ihr kam Frieden.

Warum ich dir das erzähle
Viele Menschen, mit denen ich arbeite, erleben etwas Ähnliches. Sie schämen sich für ihr Zuhause Sie verheimlichen ihre Wohnsituation – sogar beim Arzt. Sie haben Angst vor einer Diagnose, weil sie sich dadurch „offiziell“ krank fühlen würden. Dabei kann eine Diagnose genau das Gegenteil bewirken: Entlastung. Eine Diagnose gibt dem Problem einen Namen. Man muss sich nicht mehr verstellen. Es ist erlaubt, Hilfe zu holen.
Ich habe es oft erlebt: Sobald Klarheit da ist, wird vieles leichter. Auch das Umfeld reagiert anders, wenn man sagen kann, woran es liegt. Unordnung zu Hause ist oft nur ein Symptom. Dahinter stecken manchmal Erschöpfung, Depression, Überforderung.
Wenn du dich ständig kraftlos fühlst, wenn du dich selbst nicht mehr verstehst, lohnt es sich, hinzuschauen.
Du bist nicht allein.
Wenn du willst, begleite ich dich auf deinem Weg.
Gemeinsam finden wir heraus, was du brauchst.
Und was dir helfen kann.
Anmerkung:
Das sogenannte Messie-Syndrom ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für unterschiedliche Phänomene und Symptome. Die Forschung zeigt, dass hinter dieser Verhaltensweise häufig verschiedene psychische oder neurologische Erkrankungen stehen können. Dazu zählen unter anderem:
- ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)
- Autismus-Spektrum-Störungen
- Depressionen und Erschöpfungszustände
- Angststörungen oder soziale Phobien
- Traumafolgestörungen
- Zwangsstörungen
- Neurologische Erkrankungen, etwa beginnende Demenz
Psychische Symptome wie Depressionen oder Angst können Folge oder Begleiterscheinung anderer Erkrankungen sein, zum Beispiel ADHS oder Autismus. Deshalb ist eine ganzheitliche Betrachtung entscheidend. Ich stelle keine Diagnosen, sondern gebe hier Beispiele aus dem aktuellen wissenschaftlichen Diskurs. Ziel ist es, das Verständnis für mögliche Hintergründe zu erweitern und zur professionellen Abklärung zu ermutigen. Eine gesicherte Diagnose erleichtert den Zugang zu passender Hilfe und Verständnis – für Betroffene und ihr Umfeld. Diese Liste dient zur Orientierung und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Eine fachärztliche oder psychologische Diagnose ist unerlässlich, um die individuellen Ursachen zu klären.