Ordnungs-Systeme und das Messie-Spektrum 

Warum Ordnungs-Systeme im Messie-Spektrum oft nicht helfen: Viele Menschen im Messie-Spektrum haben stapelweise Kartons, ungenutzte Aktenordner oder unaufgebaute Regale zu Hause stehen. Sie hoffen, dass diese Ordnungs-Systeme irgendwann für Ordnung sorgen. Sie lesen Bücher, schauen Videos oder besuchen Kurse – immer auf der Suche nach dem perfekten Tipp.

Doch wenn es dann an die Umsetzung geht, kommt die Ernüchterung. Warum? Weil Ordnungssysteme nur dann funktionieren, wenn vorher eine Grundordnung geschaffen wurde. Und genau das ist die größte Hürde.

Der Kreislauf von Aufräumen und Scheitern

Mit voller Motivation geht es los. Doch mitten im Chaos wird schnell klar: Bevor der neue Ordner benutzt werden kann, musste erst entschieden werden, welche Papiere dort hineingehören. Bevor der Karton sinnvoll einsortiert wird, müsste klar sein, was eigentlich bleiben darf.

Die Überforderung wächst. Dann bleibt alles stehen. Die neuen Ordnungssysteme werden nicht genutzt.

Stattdessen läuft unbewusst ein inneres Programm ab:

  • „Ich versuche es doch immer wieder!“
  • „Aber am Ende klappt es ja doch nicht …“
  • „Ich bin unfähig, aufzuräumen!“

Die Enttäuschung ist groß. Das Gefühl des Versagens verstärkt sich. Und irgendwann wird gar nicht mehr angefangen.

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Fallbeispiel 1: Das Buch über Prokrastination

Ein Klient wollte seine Bücher sortieren. Es waren sehr viele – aufgestapelt in mehreren Regalen, auf dem Boden, auf Tischen. Allein der Anblick erschlug ihn. Doch er wusste: Wenn er jemals Ordnung schaffen wollte, musste er irgendwo anfangen. Gemeinsam nahmen wir Buch für Buch in die Hand. Nach einer Weile  hielt er plötzlich inne. Es war ein Ratgeber über Prokrastination. 

Er lachte kurz auf, dann schüttelte er den Kopf: „Na toll, schon wieder ein Buch über Aufschieberitis! Ich weiß ja, dass ich ein Problem habe. Aber lesen werde ich es sowieso nicht.“ Doch dann wurde er nachdenklich. Er seufzte und sagte leise: „Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir dieses Buch gekauft, weil ich dachte, es würde mich endlich dazu bringen, mein Leben in den Griff zu bekommen. Aber es ist einfach nur hier gelandet, wie so viele andere Dinge.“ Er blickte auf den Stapel ungelesener Bücher um sich herum. „Ich sammle keine Bücher – ich sammle Hoffnung. Jedes dieser Bücher war der Versuch, mich selbst zu reparieren. Aber am Ende bestätigt jedes ungelesene Buch nur, dass ich es nicht schaffe.“ Er zögerte einen Moment, dann legte er das Buch entschlossen zur Seite. „Ich werde es nicht lesen. Und das ist okay. Es darf gehen.“

Dieser Moment war entscheidend. Zum ersten Mal konnte er sich von einem Objekt lösen, ohne sich selbst als Versager zu fühlen. Es war nicht das Buch, das ihn belastete – es war das Gefühl, das damit verbunden war.

Warum Ordnung nicht nur mit Aufräumen beginnt

Unordnung ist selten das eigentliche Problem. Viel Wahrscheinlich steckt ein tieferer Grund dahinter – oft ein Trauma oder eine innere Blockade. Das Aufräumen aufzuschieben, ist ein Selbstschutz. Denn sich der Unordnung zu stellen, bedeutet oft auch, sich den dahinterliegenden Emotionen zu stellen.

Lösungsvorschlag 1: Ein kleiner Anfang reicht

Statt alles auf einmal zu verändern, kann es helfen, mit einer winzigen Aufgabe zu starten. Zum Beispiel:

  • Eine einzige Schublade sortieren.
  • Fünf Dinge bewusst entscheiden: Behalten oder weggeben?
  • Nur den ersten Schritt tun – ohne Druck, gleich „fertig“ werden zu müssen.

Jede noch so kleine Veränderung zählt. Sie durchbricht den Kreislauf der Hilflosigkeit.

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Fallbeispiel 2: Der geschenkte Teller

Eine Frau steht in ihrer Küche vor einem Regal voller Geschirr. Sie wollte ausmisten, doch bei einem Teller erstarrte sie. Ein alter, unscheinbarer Teller mit floralen Mustern. Sie hielt ihn in der Hand, drehte ihn langsam hin und her.

„Den hat mir meine Tante geschenkt …“ , murmelte sie. Ich fragte sie, was dieser Teller ihr bedeute. Sie schwieg lange. Dann sagte sie leise: „Meine Tante war stark. Egal, was ich tat, es war nicht gut genug. Aber sie hat mir diesen Teller geschenkt, und ich habe ihn aufgehoben. Vielleicht, um mir selbst zu beweisen, dass sie mich doch irgendwie mochte.“ Plötzlich stiegen ihr Tränen in die Augen. „Aber wenn ich ehrlich bin, erinnert mich dieser Teller nur daran, dass ich mich immer klein gefühlt habe.“

Es war ein schwerer Moment, doch eine wichtige Erkenntnis. Sie erkannte, dass nicht der Teller das Problem war, sondern die Gefühle, die er in ihr auslöste. Nach ein paar Minuten atmete sie tief durch. Dann stellte sie den Teller in die Kiste für den Flohmarkt. „Ich brauche ihn nicht mehr.“

Es war keine einfache Entscheidung, aber eine befreiende. Nicht der Teller war wichtig – sondern ihre Erkenntnis, warum sie an ihm festgehalten hatte.

Lösungsvorschlag 2: Die emotionale Blockade erkennen

Manchmal hilft es, nicht sofort mit dem Aufräumen zu starten, sondern zuerst zu verstehen, warum es so schwerfällt. Dazu kann gehören:

  • Sich bewusst machen, welche Gefühle die Unordnung auslöst.
  • Alte Glaubenssätze hinterfragen ( „Ich bin unfähig“„Ich darf kleine Erfolge haben“ ).
  • Sich Unterstützung holen, um nicht allein damit zu sein.

Ordnung beginnt im Kopf!

Wirkliche Ordnung entsteht nicht durch Kartons oder neue Regale. Sie beginnt im Inneren – mit den Gedanken, den Gefühlen und den alten Mustern, die uns festhalten.

Wenn du dabei Unterstützung möchtest, begleite ich dich gern auf deinem Weg.

Melde dich einfach, und wir schauen gemeinsam, wie es weitergehen kann.

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