
Warum ist der Messie Verein entstanden?
In meiner Tätigkeit als Ordnungs-Trainerin für Messie-Syndrom Betroffene sind mir einige Missstände aufgefallen, die mich zum Nachdenken brachten:
Es gibt zu wenig Hilfsangebote für Betroffene und Angehörige
Oft wissen Menschen mit Messie-Tendenzen nicht wo sie Hilfe erhalten. Sie gehen zu Ärzten und Therapeuten, manche versuchen es mit den gängigen Haushalts-Hilfen und alle kommen an ihre Grenzen. Es gibt zu wenig Aufklärung. Mir kommt es manchmal so vor, als ob alles gerne „unter den Tisch gekehrt“ wird. Das Sozialsystem ist nicht darauf ausgerichtet und die Menschen mit Messie-Syndrom sind überfordert. Mit ihrer Situation und wie von aussen damit umgegangen wird.
Die Hilfsangebote von diversen Anbietern (zB. Spitex–das ist nur ein Beispiel, es gibt noch viel mehr) sind nicht auf Langzeitbetreuung von Menschen mit Messie-Syndrom ausgerichtet
Ich hatte schon etliche Gespräche mit Institutions-Leiterinnen, die mir sagten, dass sie keine adäquate Lösung für Messie-Patienten haben. Die Strukturierung der Angestellten-Verhältnisse lässt das nicht zu. Sie haben Teilzeit-Kräfte und etliche Mitarbeiter mit kleinen Pensen (20-40%) und wenn dann noch die Urlaubsplanung und Krankheitsausfall dazu kommt, wird es noch schwieriger.
Beispiel: Gehen wir einmal davon aus, dass eine 4 köpfige Familie, die vom Messie-Syndrom betroffen ist, täglich 2-3 Stunden Unterstützung braucht. Es ist nicht möglich, dass immer die selbe Person einer Institution dort die nötigen Aufgaben übernimmt. Weil das so ist, kann kein Vertrauensverhältnis zu den Klienten aufgebaut und keine Tagesstruktur etabliert werden.
Die Finanzierung ist ein sehr kompliziertes Thema. Wer bezahlt?
Bei einer hilfreichen Unterstützung einer Person mit Messie-Syndrom braucht es Geduld und Zeit. Die betroffene Person muss Vertrauen aufbauen und Bereitschaft zur Mitarbeit zeigen. Das bedingt im Vorfeld ein langsames Herantasten mit Gesprächen, Abklärung und Vertrauensaufbau vorort. Auch die Zusammenarbeit ist nicht mit 2 bis 3 Einsätzen erledigt. Also: Zeit ist Geld.
Für schnelle „Hilfe“ wird oft in die Kasse gegriffen. Schnelle Hilfe im Sinne von: Alles ausräumen, entrümpeln und Umzug in eine neue Wohnung, weil es nicht mehr anders geht, wird manchmal aus der Staatskasse finanziert. Doch die Eingewöhnung, Umgewöhnung und Langzeitbetreuung ist nicht inbegriffen. Oft muss ich Klienten abweisen, weil keine Finanzierung für meine Dienstleistung möglich ist. Oder bis endlich eine Finanzierung gefunden wurde, wollte der Klient nicht mehr mitmachen. So werden Chancen auf Verbesserungen verpasst.
Die Sozialdienste und Berufs-Beistände wissen oft nicht, dass es spezialisierte Fachkräfte für das Messie-Syndrom existieren
Wenn ich ab und zu mit einem Berufs-Beistand oder Sozialdienst spreche, höre ich immer wieder: „Was machen sie genau? …. Ach, ich wusste gar nicht, dass es Hilfsangebote wie sie gibt.“ Es ist wichtig zu erwähnen, dass Berufs-Beistände bei einem Vollzeit-Pensum cirka 70-80 Klienten betreuen. Das ist sehr anspruchsvoll und eine gesellschaftsrelevante Aufgabe. Aber dennoch ist das Messie-Thema für diese Amtspersonen auch eine fast unlösbare Aufgabe weil sie zu wenig Zeit und Informationen darüber haben und ihnen finanziell die Hände gebunden sind.
Alterszentren sind mit Bewohner, die Messies sind, überfordert
Das Messie-Syndrom ist mittlerweile in den Alterszentren angekommen. Das hat mit der Veränderung unserer Gesellschaft zu tun. Die Menschen vereinsamen immer mehr, das Konsumverhalten hat sich stark verändert und die Krankheitsbilder auch. Aus diesem Grund „landen“ Messies in den Altersheimen. Die Versorgung von Senioren mit „Messie“-Tendenzen ist eine herausfordernde Aufgabe in der Altenpflege. In der professionellen Betreuung sind alle Berufszweige gleichermassen gefordert. Dazu gehören medizinisches und Pflege-Personal, Technischer Dienst und Reinigungskräfte. Auch hier fehlt es an Ressourcen. Der Arbeitsalltag in einem Altersheim lässt keine adäquate Unterstützung zu, die langsam und behutsam ist.
Es wird zu wenig über dieses Thema gesprochen, Stigmatisierung, Schuld und Scham finden statt. Messie-Syndrom Betroffene holen sich deshalb erst Hilfe, wenn es (fast) zu spät ist oder die Zwangsräumung droht.
Warum ist der Messie Verein entstanden?
So, jetzt komme ich zum Punkt Vereinsgründung:
- Als Verein kann man Aufklärungs-Arbeit leisten
- Finanzierung von Hilfeleistungen durch Spenden oder Crowdfunding ermöglichen
- Betroffene vernetzen, Mut machen und zur Selbsthilfe ermutigen
- Angehörige unterstützen
- Hilfsangebote ermöglichen
- Fachkräfte für das Messie-Syndrom sensibilisieren
- Gemeinschaft leben
- Selbstvertrauen zurückgewinnen und aufbauen
Für mich war die einzige Konsequenz dieser Beobachtungen, einen Verein zu gründen, der sich dem Messie-Syndrom widmet.
Ich möchte das bestehende kleine Angebot für Menschen mit Messie-Syndrom erweitern und Lust auf Zusammenarbeit und Aufklärung machen.
Machst du mit?
Hier ist der Link zur neuen Vereins- Homepage: https://messie-verein.ch/
Ich freue mich auf neue Mitglieder und Synergien die daraus entstehen!
Hast du Fragen oder Anregungen dazu? Nutze dafür gerne das Kontaktformular.