Messie-Syndrom: Das Tabuthema

Das Messie- Syndrom als Tabuthema zeigt sich in vielen kleinen Momenten – auch online.

Gestern erhielt ich einen Kommentar auf einen meiner Facebook-Beiträge, der mich sehr nachdenklich gemacht hat:

„Wenn ich jetzt hier deinen Beitrag like oder kommentiere … denken dann alle, ich bin ein Messie? Ich möchte einfach nur zeigen, dass ich deine Arbeit gut finde, aber ich habe Angst, dass meine Kunden mich dann so wahrnehmen.“

Solche Rückmeldungen bekomme ich nicht zum ersten Mal. Sie zeigen, wie stark das Thema noch immer mit Scham und Vorurteilen behaftet ist. Selbst bei Menschen, die gar nicht betroffen sind, sondern meine Arbeit einfach nur wertschätzen.

„Ich kann dich nicht weiterempfehlen , obwohl du mir geholfen hast“

In meinem Beruf als Aufräum-Coach für Menschen mit chronischer Unordnung bekomme ich fast nie Empfehlungen durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Nicht, weil meine Klienten nicht zufrieden wären – im Gegenteil. Viele sind sehr dankbar. Aber sie erzählen es nicht weiter.

Warum?

Weil es ein Tabuthema ist.

Weil die Angst groß ist, dass das Umfeld urteilt oder sie in eine bestimmte Schublade steckt.

Was gut funktioniert: Empfehlungen durch Institutionen. Sozialdienste, Ärzte, Kliniken. Menschen, die der Schweigepflicht unterliegen. Sie zeigen Betroffenen meine Webseite oder geben meine Kontaktdaten weiter. Der Kontakt entsteht dann im geschützten Rahmen.

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Warum Betroffene und Angehörige oft schweigen und wie wir das ändern können:

Ein gesellschaftliches Schweigen, auch innerhalb der Familie

Du kannst dir das so vorstellen:
Die Menschen, die mich aufsuchen, sprechen über ihre Situation entweder im Schutzraum mit Schweigepflicht oder gar nicht. Oft wissen nicht mal Freunde oder Kollegen Bescheid. Und selbst innerhalb der eigenen Familie wird das Thema oft ausgeklammert.

Warum ist das so? Weil das Wort „Messie“ mit schweren Vorurteilen belastet ist.

Vorurteile, die verstummen lassen

Viele Menschen glauben, bewusst oder unbewusst, dass Betroffene faul sind, asozial, krank, geistig eingeschränkt, arm oder unfähig, ihr Leben zu organisieren. Dabei ist das Bild in Wirklichkeit ganz anders:
In meiner Praxis begegne ich Lehrern, Journalisten, Ärzten, Unternehmern, Führungskräften. Menschen, die mitten im Leben stehen und im Beruf oft sehr gut funktionieren. Aber zu Hause, in den eigenen vier Wänden, herrscht eine Unordnung, die sie nicht mehr in den Griff bekommen.

Warum Medien das Stigma noch verschärfen

Die mediale Darstellung trägt ihren Teil dazu bei.
In TV-Reportagen werden häufig extreme Fälle gezeigt: Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben, mit dramatischen Bildern, vollgestellten Wohnungen und verwahrlosten Zuständen. Natürlich erzeugen solche Bilder Aufmerksamkeit. Aber sie schaffen ein Bild, das der Realität vieler Betroffener nicht entspricht. Und sie verstärken die Angst, selbst so gesehen zu werden. Die Folge: Rückzug, Schweigen, Isolation.

Gründe, warum in Familien nicht über das Messie-Thema gesprochen wird:

  1. Scham und Selbstverurteilung
    Viele empfinden ihre Situation als persönliches Versagen. Darüber zu sprechen, fällt unglaublich schwer – auch mit den Menschen, die einem am nächsten stehen.
  2. Angst vor Ausgrenzung
    Was, wenn Nachbarn, Kollegen oder Verwandte davon erfahren? Die Angst, ausgegrenzt oder verurteilt zu werden, ist oft größer als der Wunsch nach Unterstützung.
  3. Schutz der Kinder
    Eltern möchten ihre Kinder nicht belasten. Sie hoffen, das Thema irgendwann „in den Griff“ zu bekommen, ohne es ansprechen zu müssen.
  4. Vermeidung von Konflikten
    Innerhalb von Partnerschaften wird das Thema oft totgeschwiegen, um Streit zu vermeiden. Man arrangiert sich , aber leidet im Stillen.
  5. Gefühl der Ohnmacht
    Viele Angehörige wissen nicht, wie sie helfen können. Und weil sie keine Lösung sehen, reden sie lieber gar nicht darüber. Aus Angst, es noch schlimmer zu machen.
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So könnte das Tabu gebrochen werden:

  • Sprache verändern: Weg vom Begriff „Messie“: Das Wort „Messie“ ist stigmatisierend. Wenn wir anfangen, respektvoller und differenzierter über das Thema zu sprechen, fällt es auch Betroffenen leichter, sich mitzuteilen. Sprache macht einen großen Unterschied.
  • Mehr öffentliche Aufklärung mit echten Geschichten: Nicht die extremen Fälle, sondern die alltäglichen, oft unsichtbaren Geschichten sollten gezeigt werden: Menschen mitten aus dem Leben. Geschichten, die berühren und aufklären, ohne zu dramatisieren.
  • Bewusstsein schaffen für die Vielfalt der Ursachen: Unordnung entsteht nicht aus Faulheit. Oft sind tieferliegende psychische, emotionale oder biografische Ursachen im Spiel. Wer das versteht, urteilt weniger und hilft besser.
  • Austausch und Unterstützung ermöglichen: Unser Messie-Verein bietet Betroffenen und Angehörigen eine wichtige Plattform für Austausch, Information und Verständnis – ohne Verurteilung. Solche Angebote können helfen, erste Schritte zu wagen, ohne sich allein zu fühlen. Mehr dazu unter: www.messie-verein.ch

Also: Es braucht Mut! Das Messie- Syndrom Tabuthema ist kein Randthema. Es betrifft Menschen aus allen Gesellschaftsschichten.
Aber weil das Bild in der Öffentlichkeit oft einseitig und stigmatisierend ist, sprechen viele nicht darüber. Allein aus Angst, nicht mehr ernst genommen zu werden. Je mehr wir gemeinsam hinschauen, aufklären, zuhören und verständnisvoll miteinander sprechen, desto eher kann sich dieses Tabu lösen!

Kennst du dieses Schweigen aus deinem Umfeld? Oder hast du selbst Erfahrungen mit Unordnung, über die du lange nicht gesprochen hast? Du darfst mir gerne schreiben.

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