Familienhilfe und Messie-Syndrom

Wenn Unordnung in der Familienhilfe falsch verstanden wird: Ein Appell an Fachpersonen und Helfende im Messie-Spektrum

Immer wieder begegnen mir Familien, die wegen ihrer Wohnsituation als „Messies“ abgestempelt werden. Dabei steckt oft viel mehr dahinter: ADHS, Autismus oder Depressionen. Diese Familien leben nicht aus Faulheit oder Gleichgültigkeit in Unordnung , sondern stecken fest. Sie brauchen Hilfe.

Unordnung ist ein Symptom, keine Schuld

Die Unordnung entsteht nicht „einfach so“.
Sie ist ein Zeichen dafür, dass etwas anderes nicht gut funktioniert. Das kann die Reizverarbeitung sein. Oder die Antriebskraft. Oder die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen. Wer nur auf das äußere Chaos schaut, verpasst das eigentliche Problem.

Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht

Der Impuls, sofort zu helfen, ist verständlich.
Vor allem, wenn Kinder betroffen sind. Doch vorschnelles Aufräumen, Auflagen oder sogar Drohungen („Wenn das nicht bis dann erledigt ist…“) führen meist ins Gegenteil:

  • Scham nimmt zu
  • Vertrauen geht verloren
  • Der Rückzug wird größer

Was Betroffene wirklich brauchen

  • Menschen im Messie-Spektrum brauchen Begleitung, statt Kontrolle.
  • Sie brauchen echte Hilfe und nicht gut gemeinte Ratschläge von außen.
  • Und sie brauchen Mitgefühl – nicht Druck.
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Lösungsvorschlag 1: Strukturbegleitung im Alltag

Viele Menschen im Messie-Spektrum sind im Alltag überfordert. Eine Alltagsstruktur aufzubauen gelingt nicht allein. Deshalb hilft eine regelmäßige Begleitung, zum Beispiel so:

  • Du kommst einmal pro Woche für 1–2 Stunden vorbei.
  • Ihr besprecht gemeinsam, was diese Woche machbar wäre.
  • Ihr setzt euch ein kleines Ziel: z. B. den Küchentisch freiräumen oder den Müll rausbringen.
  • Du bleibst dabei und hilfst aktiv mit den Händen, nicht nur mit Worten.
  • Es gibt keine Bewertung. Kein „Das müsste aber schneller gehen“.

Diese Form der Hilfe nennt man strukturierende Alltagshilfe. Sie wirkt oft nachhaltiger als große Putzaktionen.

Lösungsvorschlag 2: Systemische Familienhilfe mit Blick auf Ressourcen

In vielen Fällen hilft es, die gesamte Familiensituation mit einzubeziehen. Eine systemische Familienhilfe achtet nicht nur auf die Unordnung , sondern fragt:

  • Was macht die Situation für diese Familie so schwer?
  • Welche Stärken hat sie trotz allem?
  • Welche Strukturen würden zu ihr passen?

Gemeinsam wird ein Plan entwickelt, der alltagstauglich ist.

Das kann zum Beispiel heißen:

  • feste Rituale für bestimmte Tageszeiten
  • klare Aufgabenverteilung, die zur Belastbarkeit passt
  • wöchentliche Reflexion mit der Familienhilfe: Was lief gut? Was war zu viel?

Hier wird nicht „gerettet“, sondern gemeinsam getragen.

Lösungsvorschlag 3: Peer-Begleitung durch Menschen mit ähnlicher Erfahrung

Viele Betroffene fühlen sich von Behörden oder Fachpersonen nicht verstanden. Hier kann eine Peer-Begleitung besonders kraftvoll sein. Peers sind Menschen, die selbst im Messie-Spektrum leben oder gelebt haben und nun andere unterstützen.

Was das bringt:

  • echtes Verständnis ohne Wertung
  • Ermutigung auf Augenhöhe
  • praktische Strategien aus eigener Erfahrung
  • Hoffnung, weil „Wenn der das geschafft hat, kann ich das auch“

Peer-Begleitung kann in Gruppen oder im Einzelkontakt stattfinden.
Sie ersetzt keine professionelle Hilfe , ergänzt sie aber auf heilsame Weise.

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Also: Hilfe beginnt mit Verstehen

Wenn du mit Familien im Messie-Spektrum arbeitest, vergiss nicht: Hinter der Unordnung liegen oft Verletzungen, Überforderung oder Krankheit.

Nicht der Zustand der Wohnung sollte im Zentrum stehen, sondern der Mensch! Statt Druck braucht es Beziehung. Statt Bewertung braucht es echtes Interesse.
Deine Haltung kann der Unterschied sein: zwischen Eskalation und echter Veränderung.

Wenn du mehr Sicherheit willst im Umgang mit deinen betroffenen Klienten, kannst du mich gerne kontaktieren.

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Mehr zum Thema Professioneller Umgang mit dem Messie-Spektrum findest du in meinem Blog. Hier klicken